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Medizin ist eine soziale Wissenschaft


[24.06.2015] Streik an der Charité

Wir erklären uns solidarisch mit dem unbefristeten Streik der Pflegenden an der Charité in Berlin. Diese Streiken für eine zwingend notwendige Pflegebemessungsgrenze. Wie die Streikenden richtig feststellen fehlen im Gesundheitswesen zehntausende von Stellen. Neben den erforderlichen Neueinstellungen würde die Pflegebesmessungsgrenze auch einen weiteren Personalabbau einschränken, den gerade die privaten Krankenhausanbieter_innen focieren um die Rendite zu erhöhen.

Wir wünschen den Beschäftigten der Charité Berlin viel Kraft in ihrem Kampf für bessere Arbeitsbedingungen!


[05.06.2015] Gesundheit ist keine Ware!

Auch wir als Basisgruppe Medizin beteiligen uns an der Kampagne gegen die Weiterführung der neoliberalen Ökonomisierung des Gesundheitssystems.

Aufruf zur Kampagne gegen die DRGs.
Schluss mit der Kommerzialisierung des Gesundheitswesens!

Das Fallpauschalen-System, mit dem seit über zehn Jahren die Betriebskosten der Krankenhäuser in Deutschland finanziert werden, ist nach unserer Auffassung ein gescheitertes Großprojekt: Es erzeugt systematisch medizinische und wirtschaftliche Fehlanreize, die sich negativ auf die Qualität der Versorgung und die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern auswirken. Es erzeugt Konkurrenz und brutalen Wachstumszwang, anstatt Kooperation und solidarisches Handeln zu fördern. Alternativen zu dieser verfehlten Politik zu entwickeln und für einen Kurswechsel in der Krankenhauspolitik zu streiten, ist für uns das Gebot der Stunde. Dies möchten wir im Folgenden begründen und zur Mitarbeit einladen.

Krankheit wird zur Ware gemacht
Mit dem Mythos einer angeblichen Kostenexplosion wurde in den 1980er Jahren eine Reihe von Gesundheitsreformen angestoßen. Der Legende nach war das solidarische Gesundheitssystem nicht mehr finanzierbar. Die „Reformen“ hatten ein klares Ziel: Es wurden profitorientierte Gesundheitsmärkte geschaffen. Diese könnten Gesundheitsleistungen besser und billiger zur Verfügung stellen als der Sozialstaat, so die Erzählung.
Auch der Krankenhausbereich wurde grundlegend verändert. Der Anspruch der Krankenhäuser auf Erstattung der notwendigen Kosten wurde bereits 1985 eingeschränkt. Stattdessen konnten und mussten sie von nun an Gewinne und Verluste verbuchen. Krankenhäuser sollten nicht mehr als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge gesehen werden, sondern als Wirtschaftsunternehmen, die sich am Markt behaupten müssen. Die Durchsetzung dieses neuen Leitbildes gipfelte 2004 in der Einführung von Fallpauschalen, der G-DRGs (German Diagnosis Related Groups). Die Betriebskosten eines Krankenhauses werden seitdem ausschließlich durch Pauschalen finanziert, die tatsächlich anfallenden Kosten spielen keine Rolle mehr.
Die Finanzierungslogik der Fallpauschalen zwingt dazu, permanent Wachstum (d.h. mehr Operationen) zu erzeugen und schafft einen ständigen Konkurrenzkampf um die niedrigsten Behandlungskosten – bei Strafe des wirtschaftlichen Untergangs. Das gilt für private Träger ebenso wie für öffentliche und freigemeinnützige. Ähnlich einer Fabrik werden PatientInnen so zu Fällen, deren „Kosten“ in einer schier endlosen Abwärtsspirale immer weiter gesenkt werden müssen. Die betriebswirtschaftliche Perspektive ist zur vorherrschenden Ideologie im Krankenhaus geworden – die politisch hergestellten wirtschaftlichen „Sachzwänge“ haben ihr den Boden bereitet. Die Ökonomie hat Fragen medizinischer und pflegerischer Ethik immer weiter an die Wand gedrängt.

Gewinner und Verlierer
Das DRG-System erzeugt viele Verlierer und wenige Gewinner. Verloren haben zuerst die Beschäftigten: Die Fallpauschalen erzeugen Kostendruck, durch den Personalabbau im großen Stil erzwungen wurde, die Arbeitsbedingungen haben sich massiv verschlechtert. Besonders dramatisch ist hiervon die Pflege betroffen, aber auch andere Berufsgruppen (z.B. in Reinigung, Küche, Sterilisation) sind chronisch überlastet, ebenso viele Ärztinnen und Ärzte. Damit verlieren auch die Patientinnen und Patienten, denn Personalmangel und Arbeitsüberlastung lassen zu wenig Zeit für professionelle pflegerische und ärztliche Zuwendung.
Eindeutige Gewinner sind die Privaten. Mächtige Krankenhauskonzerne sind entstanden, denen es nicht primär darum geht, den tatsächlichen medizinischen Bedarf abzudecken. Krankheit ist in der stationären Versorgung zum Geschäftsmodell geworden. Über 800 Millionen Euro Rendite konnte die privatwirtschaftliche Krankenhausindustrie 2012 verbuchen. Die Möglichkeit, mit Fallpauschalen Gewinne machen zu können, war hierfür eine strategische Notwendigkeit: Solange „nur“ die tatsächlich entstehenden Kosten erstattet werden, sind Gewinne nicht möglich. So war das „Selbstkostendeckungsprinzip“ angelegt, das seit den 80er Jahren ausgehöhlt und schließlich abgeschafft wurde.

Leere Versprechungen und Irrwege
Viele der ursprünglich formulierten Ziele, mit denen der Systemwechsel begründet wurde, sind nicht erreicht worden: DRGs wurden einerseits als das Instrument zur Kostensenkung angepriesen. Tatsächlich stellen sie sich als beständige Kostentreiber heraus: Die Fallzahlen von gewinnbringenden Operationen steigen seit Einführung der DRGs überproportional an. Die Behandlungskosten sind seit Einführung der Fallpauschalen ebenfalls sehr viel schneller gestiegen, als vor ihrer Einführung. Bürokratie, Technik und Zeitaufwand zur Berechnung, Codierung, Kontrolle der DRGs verschlingen Milliarden. Von dem profitablen Geschäft für Unternehmensberatungen ganz zu schweigen.
Ein weiteres zentrales Versprechen, mit dem die Einführung der DRGs begründet wurde, war eine bedarfs- und leistungsgerechtere Verteilung der Ressourcen. Diese Ziele können die Fallpauschalen als reines Preis- und Wettbewerbssystem aber überhaupt nicht erfüllen: Sie verfügen über keinerlei Instrumentarium, um den Versorgungsbedarf zu ermitteln und bedarfsgerecht zu steuern. Es folgt nicht, wie behauptet wird, das Geld den Leistungen, sondern die Leistungen dem Geld.
Die Berechnung der durchschnittlichen Behandlungskosten einer Fallpauschale hat nichts mit Leistungsgerechtigkeit zu tun. Der Betrag einer durchschnittlich aufwändigen Fallpauschale (z.B. Herzoperation oder unkomplizierte Geburt) wird unabhängig vom Durchschnitt der tatsächlich entstehenden Behandlungskosten festgelegt. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Fallpauschalen die durchschnittlichen Behandlungskosten ihrer Fallgruppen abbilden. Sie sorgen lediglich dafür, dass über- oder unterdurchschnittlich aufwändige Fallgruppen einen entsprechend höheren oder niedrigeren Erlös erhalten.
Das klingt kompliziert? Ist es auch! Die Faktoren und Zusammenhänge in der Berechnung von DRGs können nur sehr wenige Expertinnen und Experten nachvollziehen. Darin liegt ein wichtiger Grund für die fehlende Kritik am DRG-System: Was man nicht richtig versteht, kann man auch nicht ändern. Wissen ist Macht.
Die Vorstellung, Leistungen durch Preise steuern zu können, verkennt die Notwendigkeit politischer und wissenschaftlich fundierter Bedarfsplanung. Der Glaube an die steuernde Kraft des Marktes blamiert sich zunehmend an der Realität. Es gibt mehr als genug Gründe, diesen Irrweg der Krankenhauspolitik zu verlassen.

Kritik und Kräfte bündeln
Die Kritik an Fehlanreizen und offensichtlichen Mängeln nimmt zu. Ärzteverbände, Krankenhausgesellschaften, Gewerkschaften, Patientenvertretungen, Wohlfahrts- und Pflegeverbände thematisieren die unverantwortlichen Folgen dieser Politik. Einige gehen bereits so weit, das DRG-System offen infrage zu stellen. Auch medial gibt es eine mittlerweile unüberblickbare Fülle an kritischen Reportagen, Berichten und Dokumentationen. Im öffentlichen Bewusstsein ist es zum Allgemeinplatz geworden, dass im Krankenhaus alle zu kurz kommen, außer einigen wirtschaftlichen Profiteuren.
Bei denjenigen, die nach wie vor vom DRG-System überzeugt sind, lichten sich hingegen die Reihen. Auffällig ist, dass sich die Verteidiger zunehmend auf propagandistische Glaubensbekenntnisse zurückziehen. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag heißt es: „Die Einführung des Systems diagnosebezogener Fallgruppen (DRG-System) als leistungsorientiertes Entgeltsystem war richtig.“ Argumente oder Belege hierfür: Fehlanzeige.
Ein Fluchtpunkt der Befürworter ist die Floskel vom „lernenden System“, mit der suggeriert werden soll, dass offensichtliche Mängel und Probleme kontinuierlich reduziert würden. Die Mängel in der Patientenversorgung nehmen aber zu und die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich laufend. Die grundsätzlichen Fehler liegen im System selber, sie sind in der Finanzierungslogik angelegt.
Es ist an der Zeit, die Kritik und die Kräfte gegen das DRG-System zu bündeln. Es geht darum Ansatzpunkte zu suchen, um die weit verbreiteten kritischen Einstellungen gegenüber DRGs politisch wirksam werden zu lassen. Die Initiativen und Aktionen gegen die Einführung des „Pauschalierenden Entgeltsystems in Psychiatrie und Psychosomatik“ (PEPP) haben gezeigt, dass öffentlicher Druck erzeugt und wirksam werden kann, wenn viele gemeinsam an einem Strang ziehen.

Einstiege in den Ausstieg
Die in den DRGs angelegte Markt- und Wettbewerbslogik lässt sich nicht auf einen Schlag abschaffen – bislang fehlt eine ausgearbeitete Alternative. Wir setzen uns für Grundsätze der Finanzierung ein, die das Verhältnis zwischen GesundheitsarbeiterInnen und PatientInnen von wirtschaftlichen Zwängen entlastet und damit eine optimale und wissenschaftlich gesicherte Versorgung ermöglicht. Mit Gesundheitsversorgung darf kein Profit gemacht werden („Gesundheitswirtschaft“) und sie darf nicht technokratisch rationiert werden (Budgetdeckelung). Deswegen ist es wichtig, Wettbewerb, Konkurrenz und Kostendruck an möglichst vielen Stellen zurückzudrängen. Wir sehen zahlreiche Ansatzpunkte, um an Einstiegen in den Ausstieg aus dieser Finanzierungslogik zu arbeiten, um zu einer bedarfsgerechten Finanzierung von Krankenhäusern zu kommen:

  • Im Bereich der Pflege entwickelt sich derzeit eine Vielzahl an Initiativen und Kämpfen für mehr Personal. Die Auseinandersetzungen für tarifliche und gesetzliche Personalbemessung richten sich auch gegen die Fallpauschalen, durch die Personalbudgets laufend gekürzt werden müssen. Die Pflege ist dabei das schwächste Glied, auch deswegen sind diese Initiativen von großer Bedeutung. Wenn es gelingt, die Personalkosten aus den DRGs herauszulösen und separat den tatsächlichen Stellenbedarf (auf Grundlage einer allgemeinverbindlichen Personalbemessung) zu finanzieren, wäre dies eine enorme Entlastung für die Beschäftigten und würde sich positiv auf die Versorgung der PatientInnen auswirken. Dieser Zusammenhang spielt bei den derzeitigen Tarifauseinandersetzungen für mehr Personal an der Berliner Charité eine zentrale Rolle. Das Motto der Tarifbewegung lautet „Mehr von uns ist besser für alle!“.
  • Die öffentliche Investitionsförderung muss wieder aufleben. Der Staat hat sich aus dieser Aufgabe in einem verantwortungslosen Maß zurückgezogen, der Investitionsstau wird auf bis zu 50 Mrd. Euro geschätzt. In ihrer finanziellen Not widmen Krankenhäuser Einnahmen aus der Krankenbehandlung zu Investitionsmitteln um, aus Personalstellen werden Baustellen. Diese Umwidmungen müssen verboten und die öffentlichen Investitionsmittel deutlich erhöht werden.
  • Die notwendige Vorhaltung von Strukturen für Notfälle und Ausbildung in ländlichen Regionen muss jenseits der Fallpauschalen finanziert werden.
  • Die geplante Einführung des pauschalierenden Entgeltsystems PEPP in den Bereichen Psychiatrie und Psychosomatik muss verhindert werden.
  • Die Möglichkeit mit Krankenhäusern Profite zu erwirtschaften, muss wieder abgeschafft werden.

Krankenhäuser sind Einrichtungen der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge, keine Wirtschaftsunternehmen. Krankenhausplanung und -finanzierung sind öffentliche Aufgaben, die politischer Planung und Steuerung bedürfen. Wir brauchen eine Bedarfsplanung der Krankenhausversorgung, in die alle Akteure des Gesundheitswesens einbezogen werden. Diese Ziele sind nicht im Rahmen der DRGs zu erreichen. Wir laden alle, die Interesse an einem solidarischen, öffentlichen und bedarfsgerechten Gesundheitssystem haben, herzlich ein, sich an der Kampagne gegen das System der Fallpauschalen zu beteiligen. Wir möchten gemeinsam Strategien entwickeln und Bündnisse aufbauen, mit denen aus den Fabriken wieder Krankenhäuser in gesellschaftlicher Verantwortung werden!

Kontakt für weitere Informationen und Mitarbeit: info@vdaeae.de
http://krankenhaus-oder-fabrik.de/


[28.05.2015] Ebola – Die sozialen und politischen Hintergründe einer Epidemie

Veranstaltung mit Dr. Andreas Wulf
Projektkoordinator Gesundheit bei medico international, Frankfurt
und der Basisgruppe Medizin

20 Uhr | Hörsaal 04 | Universitätsklinikum Göttingen

Während die Ebola-Epidemie in Westafrika immer seltener in den deutschen Medien auftaucht und sich die Situation in den letzten Monaten teilweise entspannt hat, ist die Gesundheitsgefährdung für viele Menschen immer noch akut. Auch ist eine Wiederholung dieser menschlichen Katastrophe an einem anderen Ort, mit einer anderen Krankheit keineswegs ausgeschlossen.

Es ist kein Zufall, dass die Ebola-Epidemie 2014 drei der ärmsten Länder der Welt getroffen hat. Durch Kolonialismus, Krieg und wirtschaftliche Abhängigkeiten wurden gesellschaftliche Zusammenhänge und staatliche Daseinsfürsorge dieser Länder nachhaltig erodiert. Globalisierung und wirtschaftliche Liberalisierung haben auch in Westafrika einen verheerenden Einfluss auf die soziale Infrastruktur genommen, sodass ausreichende medizinische Versorgung einigen wenigen vorbehalten blieb. Zusammen mit einer internationalen Gesundheitspolitik, die auf karitative Hilfe und Privatisierung der Gesundheitssysteme setzt – nicht aber den Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung als zu sicherndes Grundrecht auffasst, werden die sozialen Realitäten der Bevölkerung vernachlässigt und ein nachhaltiger Zugang zu medizinischer Versorgung verhindert.

Wie sieht die politische Situation vor Ort aus und auf welche lokalen Strukturen kann sich bezogen werden? Warum ist eigentlich gerade Ebola zu einem so großen Thema in den Medien geworden? Welche Rolle spielen dabei die Global Player im Gesundheitssektor und die internationalen Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation? Und was muss sich ändern, damit Epidemie-Bekämpfung in Zukunft nicht auf Kontrolle und Ausgrenzung setzt, sondern bei der strukturellen Prävention beginnt?

Mit diesen und weiteren Fragen werden wir uns im Rahmen der Veranstaltung auseinandersetzen.

Hintergrundinformationen zur Veranstaltung auf der Webseite von medico international:
https://www.medico.de/ebola/


[17.12.2017 ]Solidarität hilft - Grenzen überwinden.

Veranstaltung mit Martin Glasenapp von medico international, der YXK Göttingen und der Basisgruppe Medizin.

Die Kämpfe um die in Nordsyrien gelegene Stadt Kobanê dauern an. Die kurdischen Selbstverteidigungskräfte (YPG, JPG) führen einen Kampf gegen die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS). Die demokratischen kurdischen Strukturen zeigen, dass dieser Kampf nicht allein auf der militärischen Ebene geführt wird und dort zu gewinnen ist, sondern dass die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert werden müssen, um die Menschen zu ermächtigen sich gegen Terror, Not und Vertreibung zur Wehr zu setzen. Angesichts des Elends ist es erschreckend, dass die türkische Regierung die Grenzen in das syrische Staatsgebiet nach Kobanê nicht für Helfer_innen öffnet. Hilfsprojekte können nur mit großem Aufwand notwendige Hilfsgüter liefern. Die Versorgung der Bevölkerung in Rojava ist schwierig geworden, es fehlen Medikamente für Alltagserkrankungen und vieles ist nur auf dem Schwarzmarkt zu bekommen. Oft fehlt es an Insulin und eine Dialysestation gibt es nicht mehr. Daneben breiten sich Leishmaniose und Durchfallerkrankungen aus. Zudem steigt die Zahl der Schusswunden täglich. Die Frankfurter Hilfsorganisation medico international leistet seit Jahren solidarische Hilfe in den kurdischen Kantonen gemeinsam mit ihren lokalen Partnerorganisationen. Um die Bevölkerung und die Kriegsverletzten zu versorgen, wurde im März 2014 eine Blutbank eingerichtet. Das Krankenhaus in Kobanê ist jedoch Mitte Oktober 2014 durch Bomben des IS zerstört worden, aber die Winterhilfe von medico international geht weiter, ein neuer Krankenwagen wurde schon finanziert.

Martin Glasenapp ist der Lokalkoordinator von medico international in Syrien, er hat die Region oft besucht und wird in seinem Vortrag Einblicke in die dortigen Verhältnisse geben und erläutern, was Nothilfe dort leisten kann.

Die Lokalgruppe des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan YXK wird in einem Impulsreferat aufzeigen, welche Aktionen in der BRD praktische Solidarität mit den kurdischen Gebieten gezeigt haben. Und welche Möglichkeiten wir – nicht nur als Mediziner_innen – haben solidarisch mit den kurdischen Kantonen zu handeln.

Die Veranstaltung findet statt am:

Mi. den 17.12.2014 | 19:00 Uhr | Hörsaal 55 | Uniklinikum Göttingen | Robert-Koch-Str. 40 | 37075 Göttingen


[Januar 2014] Für eine reguläre Gesundheitsversorgung aller Menschen – unabhängig vom Aufenthaltsstatus!

Auch wir die Basisgruppe Medizin haben den Aufruf des Büros für medizinische Flüchtlingshilfe Berlin „Für eine reguläre Gesundheitsversorgung aller Menschen – unabhängig vom Aufenthaltsstatus!“ als Unnterstützer_innen mit unterzeichnet.

Aufruf:
Für eine reguläre Gesundheitsversorgung aller Menschen – unabhängig vom Aufenthaltsstatus!

Was selbstverständlich sein sollte, ist es leider nicht: In Deutschland haben viele MigrantInnen keine Krankenversicherung und keinen regulären Zugang zur medizinischen Versorgung. Die Folge: Behandelbare Erkrankungen entwickeln sich zu vermeidbaren Notfällen. Das ist ein Skandal und stellt nicht nur die Betroffenen, sondern auch alle, die im Gesundheitswesen tätig sind, vor große Probleme.

Aus ethischer und menschenrechtlicher Sicht müssen alle PatientInnen die notwendige medizinische Versorgung bekommen – was ist aber, wenn die Rechnung nicht bezahlt werden kann? Die nötige Anschlussbehandlung unterbleibt? Das Labor nicht abgerechnet werden kann und die Medikamente unbezahlbar sind? Wenn gar eine Operation notwendig wird?

Die Politik lässt das Gesundheitswesen mit diesen Problemen nicht nur alleine, sie hat sie größtenteils überhaupt erst geschaffen. Dabei geht es um die Versorgung von Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus, von Flüchtlingen im Asylverfahren oder mit Duldung, sowie von EU-MigrantInnen ohne Krankenversicherung.

Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus haben faktisch keinen Zugang zur medizinischen Regelversorgung. Wenn sie beim Sozialamt einen Krankenschein beantragen, ist das Sozialamt nach § 87 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) verpflichtet, die Ausländerbehörde zu informieren. Im schlimmsten Fall droht dann die Abschiebung. Wenn sie im Notfall direkt ins Krankenhaus gehen, kann das Krankenhaus versuchen, direkt mit dem Sozialamt abzurechnen – diese Daten sind dann durch die ärztliche Schweigepflicht vor der Weitergabe an die Ausländerbehörde geschützt. Das Krankenhaus muss dem Sozialamt gegenüber jedoch die Bedürftigkeit der PatientInnen nachweisen – die dazu notwendigen Nachweise können Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus in der Regel nicht vorweisen. Sie können in ihrer besonderen Lebenssituation auch keine detaillierten Angaben über ihre MitbewohnerInnen und UnterstützerInnen machen. Daher müssen die Krankenhäuser fast immer auf die Abrechnung der Kosten verzichten und versuchen daher solche Behandlungen zu vermeiden. Dies führt zu einer strukturellen Unterversorgung, oft unterbleiben nötige Untersuchungen und Behandlungen, teilweise mit lebensgefährlichen Konsequenzen.

Flüchtlinge, die im Asylverfahren sind oder geduldet werden, haben nach Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) nur Anspruch auf reduzierte medizinische Leistungen. Was diese Leistungen umfassen und ausschließen, ist immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen und führt nicht selten zur Leistungsverweigerung. Dabei entscheiden SachberarbeiterInnen der Sozialämter über die Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung.

Aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts wird das AsylbLG gerade überarbeitet – in diesem Zusammenhang sollten die medizinisch unsinnigen Einschränkungen endlich gestrichen werden. Zumal die Lebensbedingungen von Flüchtlingen aufgrund ausländerrechtlicher Bestimmungen ohnehin psychosozial belastend und gesundheitsgefährdend sind: Lagerunterbringung, Essenpakete, Arbeits- und Ausbildungsverbote, Einschränkungen der persönlichen Mobilität durch die Residenzpflicht. Bundesweit protestieren Flüchtlinge gegen diese ausgrenzenden Lebensbedingungen. Dabei haben sie durch lange Protestmärsche, monatelange Besetzungen und Hungerstreiks, u.a. am Brandenburger Tor bei klirrender Kälte auch ihre eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Dennoch reagiert die Politik auf ihre Forderungen bisher mit kalter Ignoranz.

Die dritte Gruppe von MigrantInnen ohne regulären Zugang zur Gesundheitsversorgung sind EU-BürgerInnen insbesondere aus den neuen EU-Ländern, die oft weder in Deutschland noch in ihren Herkunftsländern krankenversichert sind. Während ein einheitlicher Rechtsrahmen für die europäischen Arbeits-, Dienstleistungs-, Waren-, Kapital- und Finanzmärkte geschaffen wird, stellt sich die sozialrechtliche Situation der innereuropäischen MigrantInnen in der Praxis als uneinheitlich und komplex dar. Der Zugang zu medizinischen Leistungen und deren Finanzierung stellt Beratungsstellen, Gesundheitsdienste und Krankenhäuser und öffentliche Verwaltungen vor Fragen, deren Beantwortung umfangreiche Kenntnisse europäischer Rechtsnormen und des nationalen Sozialrechts – in Deutschland wie im jeweiligen Herkunftsland – erfordert. Die Interpretation dieser Regelungen durch Beratungsstellen, Verwaltung und Gerichte ist uneinheitlich und oftmals widersprüchlich. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen können diese Fragen am allerwenigsten beantworten. Sie sind jedoch mit den Hilfe suchenden PatientInnen konfrontiert und allein gelassen. Dies führt dazu, dass die medizinische Versorgung oft mangelhaft und unzureichend ist.

Wir setzen uns für ein Gesundheitswesen für alle ein.

Wir fordern:

Abschaffung des § 87 AufenthG Abschaffung des AsylbLG – Integration in die soziale Regelversorgung Abschaffung diskriminierender Sondergesetze für Flüchtlinge Reguläre medizinische Versorgung aller hier lebenden Menschen – unabhängig vom Aufenthaltsstatus und vom Herkunftsland

http://www.medibuero.de/de/Aufruf.html


[08.01.2013] Di - "Unternehmen Krankenhaus? - Patient_innenbehandlung in der Krise"

Veranstaltung der Basisgruppe Medizin Göttingen mit Dr. Peter Hoffmann zur Kommerzialisierung der Therapie im Krankenhaus durch die Abrechnungspraxis nach DRGs (Diagnosis Related Groups)

DRGs sind Fallpauschalen für abgeschlossene Patient_innenbehandlungen im Krankenhaus. Hierbei wird die Diagnose des_der Patient_in zur Abrechnung herangezogen und mit einem Pauschalsatz vergütet. In den DRGs bilden sich Aufenthaltszeiten im Krankenhaus, Operationskosten und weitere Kostenpunkte ab. Nicht beachtet werden der individuelle Versorgungsaufwand und die Pflegebedürftigkeit der Patient_innen. Dies beruht unter anderem darauf, dass die Kosten für die Patient_innenpflege nicht im erforderlichen Umfang in den DRGs abgebildet werden.

Gewinnbringend sind vor allem teure Operationen und ein schneller Durchlauf von Patient_innen . Dr. Peter Hoffmann aus dem Klinikum München nimmt das Klassifikations- und Abrechnungssystem der DRGs genauer unter die Lupe. Sowohl für Ärzt_innen und Pflegende als auch Interessierte die vielleicht „nur“ als Patient_innen in Kontakt mit dem Krankenhaus kommen, erklärt er wie es dazu kommt, dass der Kostendruck ständig steigt und warum die Krankenhäuser im DRG-System geradezu gezwungen sind, Operationen durchzuführen, deren Nutzen für die Patient_in nicht eindeutig geklärt ist.

Die Basisgruppe Medizin Göttingen lädt zur Veranstaltung am 8. Januar 2013 um 19 Uhr in den Hörsaal 01 im Universitätsklinikum Göttingen (Robert-Koch-Str. 40) ein. Im Anschluss an den Vortrag wird Raum zur Diskussion sein.


Europäisches Manifest gegen die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens

Der Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte hat zusammen mit den Sozialistischen Ärzten Schwedens die Initiative ergriffen und ein Europäisches Manifest gegen die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens geschrieben. Auch wir sind der Meinung, dass die Kommerzialisierung und Privatiserung des Gesundheitswesen zu lasten der Patient_innen und Beschäftigten im Gesundheitswesen geht. Deshalb unterstützen wir, die Basisgruppe Medizin, die Forderungen und haben das Manifest mit unterzeichnet.

Europäisches Manifest gegen die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens
Health professionals erheben ihre Stimme 1. Oktober 2012

Die Organisation des Gesundheitswesens ist eine öffentliche Aufgabe. Als Gesundheitsprofessionelle sind wir damit betraut, die Krankheiten unserer PatientInnen zu diagnostizieren, zu behandeln und nach Möglichkeit zu verhüten. Wir sollten diese Aufgabe ohne Ansehen der Person wahrnehmen. Eine Unterordnung unter vorwiegend ökonomischen Kriterien hindert uns diese Aufgaben zu erfüllen: Weder wollen wir PatientInnen medizinisch notwendige Leistungen vorenthalten, noch wollen wir Leistungen erbringen, die medizinisch überflüssig, aber für den Leistungserbringer lukrativ sind.

Diese Bedingungen für eine gute Medizin herzustellen, ist in allen europäischen Ländern möglich. Ist doch die EU eine der reichsten Regionen der Erde. Aktuell erleben wir europaweit eine Entwicklung, die diesem Anliegen entgegenläuft.

Krankheit ist keine Ware!

Ob wir ein staatliches Gesundheitswesen haben oder eines, das über Sozialversicherungen organisiert wird, wir sehen überall eine zunehmende Privatisierung und Kommerzialisierung des Gesundheitswesens bzw. der Medizin. Das Gesundheitswesen wird zum Markt, Gesundheit und Krankheit werden zu Waren. Ein wichtiges Moment dieser Ökonomisierung/Kommerzialisierung ist die Privatisierung.

Privatisierung bedeutet:

  • ehemals staatliche oder gemeinnützige Krankenhäuser werden privatisiert;
  • große Klinikkonzerne, als Aktiengesellschaften organisiert, übernehmen zunehmend die stationäre Versorgung und dringen in den „Markt“ der ambulanten Versorgung ein;
  • in ehemals staatlichen Gesundheitswesen können private Anbieter Leistungen anbieten;
  • Gewinne aus Gesundheitsleistungen fließen an private Kapitalgeber und werden damit dem Gesundheitswesen entzogen und verteuern es so für die Gesellschaft;
  • medizinisch notwendige Leistungen werden aus dem Leistungskatalog des staatlichen Gesundheitswesens bzw. der Sozialversicherungen ausgegliedert und müssen privat bezahlt werden;
  • hochtechnisierte Leistungen, die gut honoriert werden, kommen zunehmend zur Anwendung.

Privatisierung führt zu gesellschaftlicher Entsolidarisierung und Abwälzung des Krankheitsrisikos auf die Individuen und sie beschränkt demokratische Einflussmöglichkeiten. Der Druck von Gesundheitskonzernen, Profite machen zu müssen, ordnet medizinische Prioritäten zwangsläufig ökonomischen bzw. betriebswirtschaftlichen unter und untergräbt das Arzt‐Patient‐Verhältnis.

Um diese Prinzipien systematisch im Gesundheitswesen zu verankern, werden Mechanismen kapitalistischer Konkurrenz unter der beschönigenden Bezeichnung „Wettbewerb“ implementiert: So konkurrieren private Anbieter mit öffentlichen und gemeinnützigen. Krankenhäuser konkurrieren untereinander um Patienten. Nicht das medizinisch beste Krankenhaus ist der „Sieger“ in diesem Wettbewerb, sondern das betriebswirtschaftlich am erfolgreichsten arbeitende. Auch bei gesetzlichen, sozialen Krankenversicherungen ist das Konkurrenzprinzip eingeführt.

Begründet wird diese Kommerzialisierung überall mit den gleichen ideologischen Formeln: Es gebe eine Kostenexplosion durch den so genannten medizinischen Fortschritt, die Überalterung der Bevölkerung aber auch durch die gestiegene Anspruchshaltung der Bevölkerung. Angesichts knapper Ressourcen der öffentlichen Hand seien Einsparungen notwendig und diese am besten durch mehr Wettbewerb und Privatisierung zu erreichen.

Tatsache aber ist: Je mehr privatisiert wird, umso mehr hängen Zugang und gute Versorgung der Bevölkerung vom eigenen Einkommen ab. Je mehr privatisiert wird, umso teurer wird ein Gesundheitswesen – ohne dass die Lebenserwartung und der Gesundheitszustand der Bevölkerung besser ist als anderswo (siehe USA). Und: Je mehr privatisiert wird, umso bürokratischer wird ein System, denn nur was dokumentiert wird, wird im Wettbewerb auch bezahlt.

Das ist nicht unsere Vorstellung von einer humanen Gesellschaft. Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich an der Solidarität mit ihren schwächsten Mitgliedern.

Krankenhäuser sind keine Patientenfabriken!

Die Kommerzialisierung hat unakzeptable Konsequenzen für PatientInnen und Beschäftigte im Gesundheitswesen. Sie führt zu Über‐, Unter‐ und Fehlversorgung und damit zu vermeidbarem Leiden. In Ländern, in denen die Ökonomisierung schon weit fortgeschritten ist, führt sie dazu, dass häufig nicht medizinisch indizierte Leistungen erbracht werden, da aus betriebswirtschaftlichen Gründen neue „Geschäftsfelder“ erschlossen werden müssen. Das geht so weit, dass Krankheiten für diesen Zweck regelrecht erfunden werden. Gleichzeitig wird zur Realisierung von Profiten immer mehr Personal abgebaut. Dies führt bei einer extremen Arbeitsverdichtung für die Beschäftigten zu einer schlechteren Versorgung für die PatientInnen. Die Ökonomisierung selektiert Patienten in lukrative und weniger lukrative PatientInnen, die unterschiedlich behandelt werden. Dies widerspricht den Grundsätzen der Humanität und unserem Berufsethos.

Als Health Professionals sprechen wir uns gegen die Ökonomisierung und die Privatisierung des Gesundheitswesens aus.
Stattdessen fordern wir:

  • einen gleichen Zugang zu medizinischer Versorgung für alle
  • qualitativ hochwertige Versorgung für alle – ohne Ansehen der Person
  • eine solidarische und gerechte Finanzierung des Gesundheitswesens
  • ausreichendes, gut ausgebildetes und ordentlich bezahltes Personal im Gesundheitswesen (mit gesetzlicher Regelung eines verbindlichen Personalschlüssels)

Wir fordern die Bevölkerung, Patientinnen und Patienten auf, sich mit uns für diese Ziele einzusetzen. Wir fordern die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker auf, den Zug der Ökonomisierung und Kommerzialisierung des Gesundheitswesens zu stoppen und zur Umkehr zu zwingen!

Unterzeichner (01.10.2012)

Download des Manifests


[11.01.2012] Mi - Veranstaltung: „Das klassenlose Krankenhaus“

Perspektiven für ein solidarisches Gesundheitswesen

Vortrag und Diskussion mit Nadja Rakowitz (verein demokratischer ärztinnen und ärzte) und der Basisgruppe Medizin an der Uni Göttingen.

Die Marktorientierung von Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen besteht auch in Zeiten der kapitalistischen Krisen weiter. Die Diskussion über Standards, Kosteneffizienz, Zugang oder Partizipation am Gesundheitswesen ebenfalls. Neben den derzeit vorherrschenden Privatisierungen gibt es aber auch andere Ansätze für die Struktur eines Gesundheitswesens, das allen Menschen gleichermaßen zugute kommen könnte. Das klassenlose Krankenhaus, über das Nadja Rakowitz u.a. referieren wird, ist eine dieser Ideen.

Dabei wäre es egal ob die Menschen diesem als Patient_innen oder Gesundheitsarbeiter_innen gegenüberstehen. Noch Ende der 70er Jahre wurde auf Ärzt_innentagen die Forderung nach einem „klassenlosen Krankenhaus“ laut, also ein Krankenhausbetrieb der keine Unterscheidung der Patient_innen nach Zahlungsfähigkeit kennt und ein solidarisches Miteinander der Berufsgruppen fördert. Die aktuellen Arbeitskämpfe im Gesundheitssektor vor Augen, haben diese Forderungen nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Genauso wie die Forderungen nach Bedarfsplänen für die ärztliche Versorgung in Landgebieten oder die Abschaffung des Chefärzt_innen-Systems noch heute aktuell bleiben. In der Diskussion, wie sozialer Ungerechtigkeit im Gesundheitswesen begegnet werden kann, spielt auch die Frage nach gesetzlichen und privaten Krankenkassen eine Rolle. Auch Beitragsbemessungsgrenzen oder DRG (diagnoses related groups)-basierte Abrechnungen ärztlicher Leistungen müssen hierbei berücksichtigt werden.

In der Veranstaltung sollen Modelle und Ideen vorgestellt werden, die im deutschen Gesundheitssektor möglich sein könnten und welche Limits es in der Durchsetzbarkeit gibt. Nadja Rakowitz promovierte über die einfache Warenproduktion bei Marx und wird in einem Vortrag einen Überblick über Modelle für den Gesundheitssektor geben und Fragen zur derzeitigen Lage im Gesundheitswesen beantworten. Im Anschluss wird es eine gemeinsame Diskussion zu den Perspektiven geben.

18 - 20 Uhr | Hörsaal 04 | Uniklinikum Göttingen | Robert-Koch-Str. 40 | Göttingen


[23.09.2011] Fr - Internationalismus und medizinische Hilfe nach dem Erdbeben

Kubas Solidarität mit Haiti

Vortrags-und Diskussionsveranstaltung Freitag, 23. September, 19.00 Uhr Ver.di Büro, Groner-Tor-Str. 32, Göttingen (2. Etage, großer Saal)

Auf der Veranstaltung berichten:
Dr. Víctor Manuel Rodríguez Guevara (Kuba):
Er leitete die erste kubanische Hilfsaktion 1998-2000 in Haiti, anschließend war er in Kuba als Gesundheitsminister der Provinz LasTunas und auch in Afrika tätig. Derzeit ist er Ressortleiter im kubanischen Gesundheitsministerium/ Bereich Internationale Beziehungen. Victor Manuel hat einen umfassenden Überblick über das kubanische Gesundheitswesen und die weltweiten humanitären Einsätze Kubas.

Dr. Paul Brisma (Haiti):
Studium an der Lateinamerikanischen Medizinhochschule in Havanna (ELAM). Danach weitere Spezialisierung und Lehrtätigkeit. Von 2006-2008 Direktor des Krankenhauses Jacmel in Haiti und Gründungsmitglied des neuen Gesundheitszentrums in Bainet im Südosten Haitis. Nach dem Erdbeben 2010 in Haiti Teilnehmer an der kubanischen Ärztebrigade HenryReeve.

Bereits 2004 war in den von kubanischen Ärzten betreuten Regionen die Kindersterblichkeit von 80 auf 28 je 1.000 Lebendgeburten gesunken im Vergleich zu 4-5 je 1.000 auf Kuba und in den entwickelten Ländern. Ähnliche Rückgänge wurden bei der Müttersterblichkeit erzielt. Von 1998-2009 wurden 13 Mio. Behandlungen, 5 Mio. Hausbesuche, 103.000 Geburten und 207.000 Operationen durchgeführt

Sofort nach dem Erdbeben in Haiti, das mehr als 200.000 Tote, mehr als 300.000 Verletzte, mehr als 2 Mio. Obdachlose und eine Zerstörung der Infrastruktur zu 80 verursachte, stellten die kubanischen ÄrztInnen ihre Arbeit auf die Behandlung von Erdbebenopfern um. Die ersten Nachbeben waren noch nicht abgeklungen, da kam zusätzlich Verstärkung, in Gestalt der kubanischen Ärztebrigade Henry Reeve, die jederzeit weltweit professionelle Soforthilfe leisten kann. Sie brachten OP-Material, Medikamente, Blutplasma und Lebensmittel mit. Eine große Impfkampagne wurde von kubanischer Seite begonnen mit etwa 100.000 Impfungen bereits in den ersten Wochen. 9 Zentren für die Rehabilitation von Verletzten wurden kurzfristig eröffnet, Fachleute zur psychologischen Betreuung entsandt.

Nach der Katastrophe begann im Erdbebengebiet der Kampf gegen dieFolgekrankheiten: Durchfall-und Atemwegserkrankungen, Malaria, Dengue, Parasiten, Wundinfektionen, Typhus, Tuberkulose und dann auch gegen die Cholera, die bereits mehrere tausend Tote gefordert hat. Während die Sterblichkeitsrate an Cholera in den von den KubanerInnen betreuten Gebieten schnell auf 1% sank, starben in anderen betreuten Regionen ca. 3%an der Seuche. Kuba schickte bald weitere 300 ÄrztInnen, Krankenpfleger und –schwestern. Das kubanische Kontingent in Haiti umfasst derzeit knapp 1.300 Personen, weltweit sind es etwa 40.000 (bei nur 11 Mio. Einwohnern)!

Während viele westliche KatastrophenhelferInnen längst wieder das Land verlassen haben, bleiben die KubanerInnen und bauen die humanitäre Hilfe weiter aus. Die von den entwickelten Staaten versprochene finanzielle Unterstützung zum Wiederaufbau des Landes ist bisher nicht einmal zu 20% erfüllt worden. Von der solidarischen, nachhaltigen und effektiven Hilfe Kubas in Haiti hört man bei uns nur wenig, passt es doch nicht in das hier vermittelte negative Kubaklischee. Da ist die Pressemitteilung der Welthungerhilfe vom Januar 2011 die große Ausnahme: „Wir arbeiten in Haiti an allen Fronten. Zur Bekämpfung der Cholera kooperieren wir mit rund 1.500 kubanischen Ärzten,die landesweit 50 medizinische Zentren aufgebaut haben und eine fantastische Arbeit leisten“, heißt es.

Die Solidaritätsbewegung für Kuba und auch die Regierung Norwegens unterstützen den für ein kleines Land wie Kuba kaum vorstellbaren humanitären Eisatz in Haiti finanziell.

Mehr Infos auf:
Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba


[22.09.2011] Do - Himmel und Hölle

Geschichten, die nicht im Beipackzettel oder der Arzneimittelfachinformation stehen.

Die Basisgruppe Medizin & das EPIZ bringen als LokalpartnerInnen der kritischen BUKO Pharmakampagne das „Schluck und Weg“ Theater auf Göttingens Bahnhofsvorplatz.

Als Medizinstudierende und Gesundheitsarbeiter_innen ist es der Basisgruppe Medizin wichtig, die Kritik an den Machenschaften der pharmazeutischen Industrie hier und in ärmeren Ländern auf das politische Pflaster Göttingens zu bringen. In einer Universitätsstadt mit Medizin der Maximalversorgung und universitärer Ausbildung ist es wichtig, das Gebaren von „BigPharma“ zu hinterfragen, da Zeitschriften, Werbung und scheinbarer Lehrinhalt jeden Tag diese Interessen der Pharma-Lobby auf uns wirken lassen.

Wir schließen damit an unsere Veranstaltung zu „Commons“ im Januar 2011 an, die sich kritisch mit alternativen Möglichkeiten für eine Arzneimittelforschung auseinandersetzte, die allen Menschen hier und in ärmeren Ländern dient.

Das „Schluck & Weg Theater“ wird von der BUKO Pharma-Kampagne in Bielefeld organisiert. BUKO (Bundeskoordination Internationalismus) ist ein Zusammenschluss von 200 Dritte-Welt-Gruppen. Die Kampagne setzt sich für das Menschenrecht auf Gesundheit und den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten ein. Sie macht die Schattenseiten des Arzneimittelmarktes in Süd und Nord publik und schaut dabei besonders der deutschen Pharma-Industrie auf die Finger. Die Pharma-Kampagne deckt unethische Geschäftspraktiken der Arzneimittelfirmen auf und macht sie öffentlich. Sie informieren durch Kampagnen, Veranstaltungen, Ausstellungen und Pressearbeit.

Über das Stück:
Die indische Pharmaindustrie boomt, doch Ethik und Rationalität bleiben auf der Strecke. Die Pharma-Kampagne hat im Rahmen einer Studie den drei Konzernen Bayer, Baxter und Boehringer Ingelheim auf die Finger geschaut und attestiert ihnen, dass sie zahlreiche unnötige oder schädliche Medikamente vertreiben. Außerdem erschweren hohe Preise den Zugang zu lebenswichtigen Produkten. Mit Klagen gegen die indische Regierung und Generika-Produzenten blockieren die Firmen die Herstellung günstiger Arzneimittel. Das ist nicht nur unfair, sondern gefährdet Menschenleben. Die Ergebnisse der Studie sollen im Theaterstück verarbeitet werden und den ZuschauerInnen vor Augen führen, was nicht auf dem Beipackzettel steht…

Die Vorführungen des 20 minütigen Stückes beginnen immer zur vollen Stunde um

  • 12:00
  • 13:00
  • 14:00
  • 15:00

Ein Informationstisch hält die ganze Zeit Hintergrundinformationen bereit.

Mehr Infos auf:
BUKO Pharmakampagne
EPIZ


antikoloniale Gesundheitsperspektiven global

Im Begleitprogramm der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ in Göttingen veranstalten wir zwei Vorträge mit Diskussion zu globaler Gesundheit. Das Menschenrecht auf Gesundheit und soziale Kämpfe, die dieses und andere emanzipative Forderungen durchsetzen, gehören für uns zusammen und miteinander diskutiert.

[17.04.2011] So - VA - »global struggles - global health«
Vortrag auf Englisch, Diskussion n.B. englisch/dt/castellano

Für das Recht auf Gesundheit treten weltweit mehrere Aktuer_innen auf, verschiedene Interessen von caritativ bis (post-)kolonial oder gegensätzlich solidarisch bis revolutionär werden forciert. Die Ziele von (manchen) NGOs und multilateralen Verträgen orientieren sich jedoch nicht immer an denen der Betroffenen, die selber definieren können was sie brauchen und oft sich eher als Handelnde den betroffen Sehen. Dem gegenüber stehen soziale Bewegungen. Es gibt eine junge Gesundheitsbewegung in Südostasien, Afrika wie in Lateinamerika die bis nach Europa als Peoples Health Movement (PHM) vernetzt ist. www.phmovement.org In dieser finden sich Initiativen, die von der Selbstwirksamkeit von Basisbewegungen angetrieben werden.

Eine Aktivistin, die lange Jahre in Guatemala und Nicaragua gearbeitet hat wird uns einen Input zu den Kämpfen, Zielen und Strategien für Gesundheit der sozialen Bewegungen in Lateinamerika geben. In einem Diskussionsteil soll über die Chancen, Möglichkeiten und Fallstricke für emanzipatives Handeln im Zeichen globaler Gesundheit diskutiert werden.

Vortrag von Maria Hamlin Zuniga & Diskussion mit der Basisgruppe Medizin

17 - 19:00 Uhr | Alte Mensa am Wilhemsplatz | Göttingen


[21.04.2011] Do - VA - >>Von der "Hilfe im Handgemenge" zur "kritischen Nothilfe"<<

Von der „Hilfe im Handgemenge“ zur „kritischen Nothilfe“
Postkoloniale Geschichte und Wandel der Solidarität

Vortag in vier Bausteinen mit Diskussionsrunden: Thomas Seibert (medico international)

Den von Armut, Not und Gewalt bedrückten Menschen des Südens zu „helfen“ und sich für die „Entwicklung“ ihrer Gesellschaften einzusetzen, scheint sich wie von selbst zu verstehen. Es scheint vor allem etwas ganz „unpolitisches“ zu sein: Hilfe soll „ankommen“ und die Dinge einfach „richten“. Die 1968 gegründete Hilfsorganisation medico international hat das von Anfang an anders gesehen und „Entwicklungs-“ wie „Nothilfe“ immer politisch verstanden: als Teil kolonialer und postkolonialer Geschichte und als Versuch, ihr zu entkommen. In den ersten Jahrzehnten arbeitete medico im solidarischen Bezug auf die antikolonialen Befreiungsbewegungen dieser Zeit - der Begriff dafür war die „Hilfe im Handgemenge“, wichtige Orte waren (und sind) z.B. Nicaragua, Südafrika oder Israel/Palästina. Auch wenn die meisten dieser Bewegungen historisch in Schwierigkeiten kamen, haben sie und die „Hilfe im Handgemenge“ doch vieles ändern können. Einiges davon trägt noch heute, wo es immer weniger um „Entwicklung“ aus kolonialer Abhängigkeit heraus, sondern um „vernetzte Sicherheit“ in „globalisierter“ Welt gehen soll. In der häufen sich, so viel ist deutlich, zunächst einmal die Katastrophen, im zurückliegenden Jahr z.B. die in Haiti und Pakistan. Das bleibt nicht ohne Folgen für Hilfsorganisationen - und das Problem ihrer „NGOisierung“. Der unmittelbaren Not wie ihrer politischen Dimension stellt sich medico mit „kritischer Nothilfe“ und einem „globalisierten“ Begriff von Solidarität. Noch immer geht es darum, dass Hilfe und Politik nicht zu trennen sind - schon weil es um ein gemeinsames Eintreten für gleiche globale Rechte für alle Menschen geht. Zum Beispiel um das globale Recht auf gleichen Zugang aller zu Gesundheit, für das ein Projekt in Bangladesh einen examplarischen Anfang versucht.

17 bis 20 Uhr (Achtung! Die Uhrzeit im Programmheft wurde falsch abgedruckt) | Alte Mensa am Wilhelmsplatz | Göttingen

Link: medico international


[12.01.2011] Mi - Veranstaltung: Pharma = Profite & Patente?

– Alternativen für eine Forschung die den Menschen dient

Ein erheblicher Anteil von Forschung an pharmazeutischen Grundlagen wird aus öffentlichen Geldern finanziert und Ergebnisse universitärer Forschung liefern oft die Grundlage für spätere Arzneimittelentwicklungen. Firmen, die Lizenzen für diese Patente erwerben, entwickeln daraus häufig teure Markenpräparate. Diese können sich im globalen Süden oft nur die wenigsten Gesundheitssysteme und nur ein kleiner Teil der Erkrankten leisten. Das so eine Versorgungslücke global und einkommensbedingt für den Zugang zu Medikamenten besteht ist seit Jahren eine Realität, für die es Lösungen zu finden gilt. Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über derzeitige Patent und Lizensierungsmodelle und widmet sich hauptsächlich Alternativen für die Arzneimittelproduktion und Verwertung von Forschungsergebnissen. Es werden Modelle wie „Equitable Licenses“, Patentpools und Forschungsanreize vorgestellt. Die Perspektive mit Commons Lizenzen als Möglichkeit gesellschaftliches intellektuelles Gut auch als solches global gesellschaftlich zu nutzen wird vorgestellt.

Im Gegensatz zur gängigen Praxis der Welthandelsorganisationen (WTO), der USA und der EU, ihren Patentschutz in den Ländern durchzusetzen die von Transferleistungen abhängen (multi- und bilaterale Entwicklungshilfe), gibt es mehrere Ansätze die Versorgung der Menschen durch Stärkung der lokalen Produktion von Medikamenten sicherzustellen. Equitable Licences sind vorformulierte Vertragsbausteine die eine praktische Hilfestellung für die Patentverwertung in Ländern geben, die sonst kaum patentgeschütze Medikamente herstellen könnten. Leider spielen diese Equitable Licenses für öffentliche BRD Forschungseinrichtungen bisher kaum eine Rolle. Auf universitärer Ebene gibt es mehrere Anläufe eben dies zu verändern, so z.B. die Initiative UAEM (Universities allied for essential Medicines). Auch so genannte Patenpools, in die Forschungseinrichtungen und Firmen Patente für Medikamente gezielt für den Markt im globalen Süden einspeisen können, werden diskutiert. Viel weiter geht der Ansatz von Commons, die 2001 an der Stanford Law School entwickelt wurden. – Mit diesem, im Kreativbereich gängigen, Lizensierungsmodell können Urheber_innen über die Verwertung ihrer intellektuellen Arbeit genauer bestimmen und sich an Grundwerten von Offenheit und Teilhabe orientieren. Wobei hier die Abstufung der Rechte sehr feingliedrig ist und bis zu einem freien Zugang per „no rights reserved“ entsprechender politischer Wille gehört. Wie in der Sofwareentwicklung gibt es hier erhebliche Potentiale für kollaborative multizentrische Arbeiten. Die Potentiale für eine gleichwertige Medikamentenversorgung gilt es zu diskutieren.

no rights reserved – für eine kritische Forschung die den Menschen dient!

Die Veranstaltung findet statt am Mittwoch den 12.01.2011 um 17:00 bis 19:00 im Hörsaal 04, Uniklinikum.

Weitere Informationen unter:
www.bukopharma.de
www.med4all.com
www.essentialmedicine.org


[01.06.2010] Di - Veranstaltung: Hauptsache gesund?

Krankheit, Behinderung als Super-GAU des bürgerlichen Individuums.

Veranstaltung mit Wortbeiträgen von R. Maskos und anschließender Diskussion.

„Das Wichtigste im Leben ist doch die Gesundheit. Klar, Kranksein ist doof, und dass Krücken als unsexy gelten, das weiß jeder, der schon mal einen Sportunfall hatte. Krank oder behindert sein will niemand. Nicht umsonst gibt es die Dauer-Debatte um die Sterbehilfe, denn trotz Lebensschutz-Primats ist Konsens: „An Schläuchen hängen – niemals“. Die damit verbundene Abhängigkeit ist DAS Katastrophenszenario des sich als frei gerierenden bürgerlichen Individuums. Kein Wunder, dass die Repräsentanten dieser Katastrophe Unbehagen erzeugen. Abscheu, Mitleid, Bewunderung – sind vielfältig und oft extrem. Was sind die Stereotypen rund um abweichende Körperlichkeit? Was bedeutet der (intakte) Körper im Kapitalismus? Und was bringen die Behindertenbewegung, Rampen und Integrationsjobs?“ (text von www.junge-linke.org)

Bei dieser Veranstaltung werden wir uns der Frage widmen inwiefern die Konzepte von Krankheit/Gesundheit/Behinderung im gesellschaftlichen Diskurs gewachsen sind und wie vom Standpunkt einer kritischen Wissenschaft, wie der Medizin, hier Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu üben ist.

Die ReferentInnen werden einen Überblick über den Diskurs und die Bewegungsgeschichte der „Behinderten“ geben und ein Forum für eine Diskussion mit uns und Interessierten einleiten.

Dienstag 01.06.2010

18 - 20Uhr | Hörsaal 69/71 | Uniklinikum Göttingen | Robert-Koch-Str. 40 | Göttingen


Veranstaltung "Gesundheit - Gleichheit - Gerechtigkeit"

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe des bvmd GandHI, mit der NGO medico international und dem mediBüro für Flüchtlingsarbeit aus Hamburg wollen wir euch zu einer Veranstaltung zum Thema Gesundheit, Gleichheit und Gerechtigkeit einladen. Anhand von Vortrag, Workshop und Film sollen die sozialen Determinanten von Gesundheit diskutiert werden. Dabei geht es tiefer, um die Ursachen und Auswirkungen sozialer Unterschiede auf Gesundheit und Krankheit in unserer Gesellschaft. Wie kann mehr Gerechtigkeit erreicht und das Recht auf Gesundheit durchgesetzt werden?

Die Veranstaltung findet am Dienstag den 8.12 im Uniklinikum Hörsaal 55 statt und beginnt um 17 Uhr

aus dem Einleitungstext:

„In der WHO-Konferenz in Alma-Ata wurde im Jahr 1978 Gesundheit wie folgt definiert: „Die Konferenz bekräftig nachdrücklich, dass Gesundheit, die ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht lediglich des Freiseins von Krankheit und Gebrechen ist, ein grundlegendes Menschenrecht darstellt und dass das Erreichen des höchstmöglichen Gesundheitszustandes ein äußerst wichtiges Ziel ist, dessen Realisierung das tatkräftige Handeln zahlreicher anderer sozialer und ökonomischer Sektoren außerhalb des Gesundheitssektor erfordert.“

„Seit der Konferenz sind über dreißig Jahre vergangen. Wenn in der Öffentlichkeit heute über Gesundheit gesprochen wird, scheint es gesellschaftliche Einflussfaktoren gar nicht zu geben. Im Gegenteil, Gesundheit wird als individuelle „Ressource“ angesehen, deren Erhaltung bzw. (Wieder-) Herstellung in der Verantwortung des Einzelnen liegt.Medizin wird so zunehmend individualisiert. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen bei Geburt 81,3 Jahre, die von Männern 75,3. Diese Durchschnittswerte sind jedoch nicht in allen sozialen Schichten gleich. Es zeigt sich vielmehr ein Gradient, d.h. abhängig von der Einkommensgruppe ist diese Lebenserwartung höher oder niedriger als der Durchschnitt. Der Unterschied zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommenskategorie beträgt über 10 Jahre. Er kann nicht allein durch die Armut der Menschen in der untersten Kategorie erklärt werden, da diese Werte über das gesamte Spektrum langsam ansteigen.“

Gesund zu sein, ist nicht nur ein wichtiger Wert an sich, sondern auch unerlässliche Voraussetzung, um andere Menschenrechte ausüben zu können!

weitere Infos unter:
http://www.medico.de/
http://bvmd.de/ausland/scoph/gandhi/


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